Das Buch liegt auf einem hellen Hintergrund. Links neben dem Buch liegt ein Haufen Teeblätter, darin setzt sich eine weiße Fläche ab, die die Form eines Drachens hat. Darüber liegt eine Teeverpackung, woraus die Teeblätter herausfallen. In der oberen linken Ecke ragt ein Blumenstrauß ins Bild.

[Rezension] The Baby Dragon Cafe

The Baby Dragon Cafe – A. T. Qureshi

Das Buch liegt auf einem hellen Hintergrund. Links neben dem Buch liegt ein Haufen Teeblätter, darin setzt sich eine weiße Fläche ab, die die Form eines Drachens hat. Darüber liegt eine Teeverpackung, woraus die Teeblätter herausfallen. In der oberen linken Ecke ragt ein Blumenstrauß ins Bild.

Verlag: Avon/HarperCollins Publishers | Seiten: 320
Erscheinungsjahr: 2025

Kurzbeschreibung

Nach dem Tod ihrer Großmutter eröffnet die unbeschwerte Saphira ihr eigenes Babydrachen-Cafè: Es ist ein Ort, an dem Babydrachen und ihre Besitzer zusammenkommen und in wohliger Atmosphäre einen hausgemachten Chai Latte und eine besondere Süßspeise des Hauses probieren können. Doch das Café macht mehr Arbeit als Saphira erwartet hat und die übermütigen und chaotischen Babydrachen tun ihr Übriges und halten Saphira auf Trab. Eine zerstörte Kaffeemaschine kann sie dabei überhaupt nicht gebrauchen. Da kommt Aiden wie gerufen: Der launische, aber verdammt gutaussehende Frauenschwarm des Orts sucht einen Trainer für seinen Babydrachen…


Meine Meinung

Was für eine Enttäuschung! Ich kann es wirklich nicht anders ausdrücken, aber hui. Ich hatte sehr hohe Erwartungen an dieses Buch, die allesamt nicht erfüllt wurden. Nach der Lektüre von „Onyx Storm“ von Rebecca Yarros (was ja selbst kein Meisterwerk war…) war ich noch nicht bereit, wieder in eine drachenlose Welt zurückzukehren, weshalb ich dann zu diesem Roman griff. Aber mit diesem Buch bin ich ordentlich auf die Nase gefallen.

Die Drachen, denen man in diesem Roman begegnet, haben nichts mit den gewaltigen, majestätischen, beeindruckenden und charakterstarken Kreaturen zu tun, die ich sonst aus dem Fantasy-Genre gewohnt bin. Die Drachenbabys entsprechen mehr der Vorstellung von kleinen, verhätschelten, kindlichen, überbedürftigen Hunden mit einem grenzwertigen Intelligenzquotienten. Die Menschen behandeln sie auch entsprechend: Man spricht mit ihnen in einer nur schwer ernstzunehmenden Babysprache, nennt sie „good boys“ und „draggos“ (erinnert doch sehr stark an den Ausdruck „doggo“). Sind die Drachenbabys einmal ausgewachsen, werden sie die besseren Pferde. Ich fand das alles nur schwer zu ertragen.

Die Handlung spielt in einer Welt, die an unsere Gegenwart angelehnt ist; in einer gemütlichen US-amerikanischen Kleinstadt, die genauso viel Charme hat wie die Kleinstädte in den weihnachtlichen Hallmark-Filmen. Alles erschien mir recht generisch und austauschbar. Das einzig Besondere an dieser Pappmache-Kulisse: Die Drachen, Phönixe und Greifen (aber das beruht auch nur auf Hören-Sagen). Denn: Nur weil sich ein Roman diese Kreaturen ausleiht (denn mehr ist es hier nicht), ist es noch lange kein Fantasy-Roman. Das World Building war nicht-existent. Es wird zwar ungefähr zur Hälfte des Romans eine Drachen-Lore in die Handlung eingebaut, die aber bei aller Liebe keinen Sinn ergibt und so löchrig ist, dass es unangenehm zieht. Welchem Genre auch immer dieser Roman zuzuordnen ist, vom Fantasy-Genre halten wir ihn bitte ganz weit weg. Der Roman wird als „cozy, romantic fantasy” vermarktet, ist aber eigentlich eine „cozy, contemporary romance“ mit Drachen – weil die grade trendig und Hunde langweilig sind.

Die beiden Hauptfiguren Saphira und Aiden wechseln sich bei der Erzählung der Handlung mehr oder weniger kapitelweise ab. Saphira, die sich ihre Unbeschwertheit und ihre gute Laune trotz einiger herber Schicksalsschläge nicht nehmen lässt, war mir in mancherlei Hinsicht sympathisch, aber für eine Frau Ende zwanzig kam sie mir schon sehr unbedarft, etwas sehr albern und auch überheblich vor. Den eigenen kulturellen Hintergrund macht die Autorin durch ihre Protagonistin sichtbar zB anhand der Einrichtung des Cafés, des kulinarischen Angebots, einiger äußerlicher Besonderheiten der Protagonistin – damit hat sich das Buch einen der wenigen Pluspunkte verdient.

Der mysteriöse, launische, seelisch tief getroffene Frauenschwarm Aiden war genauso besonders und aufregend wie die Pappmache-Kulisse der Kleinstadt, in der er lebt. Er ist eine Blaupause aller männlichen Love Interests, die sich momentan wohl auf dem Büchermarkt rumtreiben: gemeißelte Gesichtszüge, groß, stark und muskulös, besitzergreifend, beschützerisch, grimmig mit einem düsteren Blick – ohne richtige Charaktertiefe. Man merkt ihm einfach an, dass er ein Ideal verkörpern soll, an das er nicht heranreicht und wird dadurch zum Klischee. Minuspunkte, Minuspunkte, Minuspunkte.

Zwischen den beiden fehlte mir auch insgesamt die Chemie: Da war kein Feuer der Leidenschaft. Mehr als eine Rauchbombe ist das mMn nicht hochgegangen. Die sehnsuchtsvollen Schmachtszenen waren auch eher peinlich-berührend als leidenschaftlich-wild – irgendwie war da meinerseits eine ganze Portion Fremdschämen dabei. Wenn sie voneinander schwärmen, bekommt man das Gefühl zwei Teenagern zuzuhören. Die Tatsache, dass die beiden direkt von der ersten Begegnung an ineinander verschossen waren, einander begehrten (auch wenn sie es lange, lange, lange, lange, lange, laaaange nicht zugeben und dies auch künstlich in die Lääääääänge gezogen wird) und das in ihren jeweiligen POVs auch ständig zum Ausdruck bringen, hat die Spannung wie eine von Aidens Blumen eingehen lassen. Ich fand es auch sehr befremdlich, dass sowohl Saphira als auch Aiden 20-jährige Personen als „Kinder“ bezeichnen, während sie selbst mit Ende 20 nicht grade vor emotionaler Reife strotzen. Es kam mir so vor, als würde ich einen Young Adult-Roman zu lesen, der so gerne zur Clique der New Adult-Romane dazugehören möchte. Dabei bin ich ja eigentlich eine Verfechterin des „no spice“, aber das war nichts Halbes und nichts Ganzes.

Und obwohl die beiden fast die ganze Zeit aufeinanderhängen und über „random things“ (ahhh, WTF?!) sprechen, gibt es nur wenige, bedeutungsvolle Momente und Begegnungen, bei denen ich sagen könnte: „Ja, jetzt verstehe ich, was die aneinander finden“.

In diesem Roman geht es insgesamt sehr gemütlich einher. Der Fokus liegt darauf, eine heimelige, kuschelige und behagliche Atmosphäre zu erschaffen, schließlich ist es ein Roman aus der trendigen „cozy“-Sparte. Aber dass die Handlung so einschläfernd sein würde, hätte ich nicht gedacht. Es gibt einen Konflikt, auf dem zunächst sehr oft herumgeritten wird und der immer wieder für Krisen bei den Figuren sorgt. Dieser „Konflikt“ verpufft irgendwann ins Nichts und ja, das wars. „cozy“ ja gerne, aber ein bisschen Spannung hätte schon sein dürfen. Und ich bin ehrlich: Ich weiß nicht mehr, was alles auf diesen 300 Seiten passiert ist – viel war es irgendwie nicht.

Der Schreibstil der Autorin bleibt oberflächlich und träge; sprachlich greift die Autorin nicht aus, sondern stützt sich auf unzählige inhaltliche wie syntaktische Wiederholungen (ich will nicht wissen, wie oft ich die Wörter „happy“ und „pretty“ lesen musste). Wenn man nicht in der Lage ist, dem Leser*der Leserin das Menü eines Abendessens auf schmackhafte Weise vor Augen zu führen, dann sollte man es lassen. Und vor allem sollte man dann eine Aufzählung nicht mit „etc.“ beenden (um mal ein Beispiel zu nennen). Die Beschreibungen konnten meine Vorstellungskraft einfach nicht ankurbeln. Wo waren Lektorat und Korrektorat in alledem?


Mein Fazit

Ich wollte die Lektüre eigentlich bei ungefähr der Hälfte des Romans abbrechen, aber ich habe mich durchgekämpft, damit ich euch mit reinem Gewissen sagen kann, dass ich den Roman nicht empfehlen kann. Die nachfolgenden Bände „The Baby Dragon Bakery“ und „The Baby Dragon Bookshop” werde ich nicht lesen. Keine Leseempfehlung!


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